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Ich sage dir, ob und wann dein Hund wirklich einen Mantel braucht

Hier erfährst du

  • woraus das Hundefelll besteht
  • welche Varianten es gibt
  • was das Hundefell so kann
  • wann ein Mantel sinnvoll sein kann
  • woran man erkennt, ob ein Hund Unterwolle hat

Mantel oder kein Mantel, das ist hier die Frage. Während Hamlet darüber sehr wahrscheinlich nicht sinnierte, spaltet die Frage Hundehalter. "Notwendig" sagen die einen, "Firlefanz" sagen die anderen. Aber was stimmt denn nun?

Aufbau des Hundehaars

Das Fellkleid ist bereits in der Gebärmutter der trächtigen Hündin angelegt

Grundsätzlich unterteilt sich das Fell in Primär- (Deckhaar, Leit- oder Grannenhaar) und Sekundärhaar (Unterwolle; siehe Abbildung) [1].

 

Einfaches Fell

Hunderassen mit einfachem Fell haben wenig bis kaum Unterwolle. Ihr Haar ist oft entweder lang und glatt oder wollend abstehend.

 

Double Coat

 

Diese Hunde haben ausgeprägtes Primär- und Sekundärhaar. Die Deckhaare bilden den Hauptanteil des Fells und sind von einer Gruppe dicht stehender Unterwoll-Haare umgeben. 

Was nun so simpel klingt, kommt am Ende in den unterschiedlichsten Varianten daher. Kurz, lang, irgendwas dazwischen, glatt, gewellt, lockig, stumpf, flauschig, mega flauschig. Doch obwohl die Liste schier endlos erscheint, fanden Wissenschaftler über DNA-Sequenzierungen von über 80 Hunderassen heraus, dass die unterschiedlichen Varianten in der Regel auf Mutationen in nur 3 Genen zurückzuführen ist [2].

 

Hier einige häufige Variationen:

 

Kurzhaar/Glatthaar:

Tiere mit sehr kurzem Fell, haben zwar meist dichtes Deckhaar, dafür aber kaum oder gar keine Unterwolle. Es gibt also nur eine Haarschicht, die sich vereinzelt über das ganze Jahr hinweg erneuert. Einen Fellwechsel gibt es persee also nicht.

z.B.: Dobermann, Boxer

 

Langhaar mit wenig Unterwolle:

Solche Hunde haben langes Deckhaar. Es kommt zum so genannten Mosaik-Fellwechsel, bei dem sich Teile der Unterwolle und der Deckhaare periodisch erneuern.

z.B.: Setter, Spaniel, Deutsch Langhaar

 

Langhaar mit viel Unterwolle:

Bei diesen Tieren kommt es fortwährend zum Fellwechsel, das Fell muss permanent gepflegt werden.

z.B.: Bobtail, Tibet Terrier, Shih Tzu

 

Krauses Haar:

Alle Haare haben die gleiche Länge. Das Fell besteht Hauptsächlich aus Unterwolle und nur wenig Deckhaar. Vertreter solcher Rassen können mitunter sehr langes Fell bekommen, das es nötig macht gekürzt zu werden.

Bsp: Pudel, Bedlington Terrier

 

Rauhaar:

Diese Hunde besitzen zwei Fellschichten, die sich gemeinsam zur selben Zeit etwa in einem Abstand von 6 Monaten erneuern. Dies geschieht im übrigen unabhängig von der Jahreszeit. Abgestorbene Haare fallen jedoch nicht selbst aus, sondern müssen manuell ausgebürstet werden.

z.B: Cairn Terrier, Schanuzer, Rauhaardackel

 

Filzhaar:

Hunde mit dieser Fellart besitzen eine dicke Unterwolle, was aber auch dazu führt, dass das Haar schnell verfilzt.

 

z.B.: Komondor und Puli [3]

Was das Hundefell alles kann

Während die Spezies Mensch, zumindest die meisten ihrer Art, ihr Fellkleid im Laufe der Evolution verloren hat, sind unseren vierbeinigen Vertreter noch voll behaart. Genau wie wir, sind Hunde gleichwarm, ihre Körper-Kern-Temperatur ist also relativ konstant. Sie liegt etwa zwischen 38,0 und 39,0 °C [4]. Wie bei einer Thermoskanne isoliert das Hundefell in beide Richtungen und kann wärmen und kühlen. Daher verändert sich das Fellkleid auch mit den Jahreszeiten. Logisch, viel Fell viel Wärme. Nicht umsonst war zu Zeiten der Höhlenmenschen der Pelz-Bikini en Vogue. Das dichte Gestrüpp hält außerdem Nässe von der Haut fern. Aus diesem Grund schlagen viele Hunde, zum Leidwesen ihrer Besitzer, auch im tiefsten Winter ein erfrischendes Bad im Bach ihres Vertrauens nicht aus. Und während sie dann freudig galoppierend auf Frauchen und Herrchen zu rennen, nehmen sie mit ihrem Fell noch allerhand Gestrüpp, Dornen und Kletten mit. Verflucht nervig für den Menschen,  sinnvoll für den Hund. Denn auf diese Weise haben die kleinen Biester keine Gelegenheit sich in die Haut vorzuarbeiten und fiese Infektionen zu verursachen Das Fellkleid ist außerdem Kommunikationsmittel und bietet, wenn pigmentiert, einen Schutz vor UV-Strahlung [5].

Dann kann ein Mantel sinnvoll sein

Nach Empfehlung der Bundestierärztekammer ist zumindest bei gesunden Tieren in der Regel kein Mantel erforderlich. Mit ausreichend Bewegung frieren Hunde kaum. Gewisse Umstände können das jedoch ändern. Ein fortgeschrittenes Alter oder ein sich verschlechternder Gesundheitszustand können Maßnahmen erforderlich machen. Das gilt vor allem für Hunde ohne Unterwolle.

Dennoch....

In diversen Foren entgleisen die Diskussionen darüber regelmäßig. Die Anti-Kleidung Fraktion spricht von Vermenschlichung. Schließlich bräuchte weder Wolf noch Straßenhund Kleidung. Auch viele Tierärzte sind der Meinung: Tiere brauchen das nicht. Hinzu kommt, dass Hunde bekanntlich kaum Schwitzen können. Ein zu dicker Mantel kann die Temperaturregulation also sogar behindern [7]. Gerade wenn der Hund sehr aktiv ist, kann es daher sogar in den Wintermonaten zur gefährlichen Überhitzung kommen [8]. Ein Hundefriseur aus München erwähnt in einem Focus-Interview noch ein weiteres Problem. Viele Besitzer mit langhaarigen Hunderassen lassen in den Wintermonaten ordentlich wuchern. Wird dann noch ein Mantel übergezogen, verknotet das Hundehaar oft. Bei falscher Passform kann das dann unangenehm reiben [7]. Die Pro-Mantel Partei dagegen argumentiert, dass die Regeln des Wolfes schon lange nicht mehr für den Haushund gelte. Schließlich hätten sich Hunde längst an das warme Wohnzimmer gewöhnt. Was spricht also gegen einen Mantel, wenn der Hund wirklich friert? 

Hat mein Hund Unterwolle?

Besitzt man einen Rassehund, hilft euch ein Blick in die Tabelle unten womöglich weiter. Aber was, wenn man einen Mischling wie Flóki besitzt? Woran erkenne ich, ob mein Hund Unterwolle hat oder nicht?

 

 

Tatsächlich ist das manchmal gar nicht so leicht zu erkennen. Bei Hunden mit dunklem Fell setzt sich die Unterwolle oft farbig ab. Das stumpfe wollige Unterhaar zeigt sich häufig an den Hosenbeinen und hinter den Ohren. Die Unterwolle ist außerdem dünner und meist gekräuselt. Zeigt sich die Fellschicht nicht von alleine, hilft nur Scheiteln und nachsehen.

Checkliste

Immer noch unsicher? Hier eine kleine Checkliste:

 

1.     Hat mein Hund Unterwolle?

2.     Ist mein Hund bei Spaziergängen sehr aktiv?

3.     Hat mein Hund chronische Erkrankungen wie Arthrose?

4.     Treibt mein Hund regelmäßig Sport?

5.     Zeigt mein Hund Anzeichen des Frierens wie Zittern, steifes Gehen oder Unlust?

6.     Kommt mein Hund aus dem wärmeren Ausland?

 

7.     Ist mein Hund besonders jung oder besonders alt?

So sollte der Mantel aussehen

Wie gute Wanderschuhe bei uns, sollte auch der Mantel eines Hundes optimal sitzen. Nun bekommt Hasso zwar keine Blasen von der falschen Passform, ein zu eng sitzender Mantel kann aber durchaus unangenehm sein. Ein zu weites Modell dagegen kann zu Bewegungseinschränkungen führen. Auch das Material von Wintermänteln ist nicht unerheblich. Hunde können kaum schwitzen, überhitzen daher deutlich schneller als wir Menschen. Der Mantel sollte außerdem leicht und wasserabweisend sein. Den Frottee-Bademantel, den man ja praktischerweise eh schon zu Hause hat, zweckzuentfremden, empfiehlt sich dagegen nicht. Sollte euch schon einmal das Handtuch in die Dusche gefallen sein, wisst ihr auch warum. 

Mein Fazit

Sollte ein Hund wirklich Kälteempfindlich sein, spricht aus meiner Sicht nichts gegen einen Mantel in den Wintermonaten. Dabei sollten wir allerdings die menschliche Sicht einmal ablegen und die Sachlage durch die Hundebrille betrachten. Friert mein Hund wirklich oder übertrage ich mein Befinden auf mein Tier? Die Gefahr der Überhitzung sollte auch an kalten Tagen nicht unterschätzt werden. Wie eine Studie aus UK von 2020 zeigt, ist Überanstrengung ein entscheidender Risikofaktor. Und das unabhängig von der Jahreszeit.

 

Flóki hat kaum bis keine Unterwolle. Mit den besten Absichten, habe auch ich ihm einen Mantel gekauft. Er hängt nun seit über einem Jahr unbenutzt an der Garderobe. Denn ich musste einsehen, dass mein Hund einen Mantel einfach nicht nötig hat Zumindest jetzt noch nicht. 

 

Jessica Welss

Quellen

1.         Peters, G., Der Wolf in der Fellfalle: Die Haaranlagen des Hundes. 2020.

2.         Cadieu, E., et al., Coat variation in the domestic dog is governed by variants in three genes. science, 2009. 326(5949): p. 150-153.

3.         https://www.hundeschnittschule.de/aktuelles/item/das-fell-wissenswertes-%C3%BCber-strukturen-arten-und-pflege.html.

4.         https://tierarztpraxismobil.de/ab-wann-hat-ein-hund-fieber/.

5.         https://www.agila.de/tiergesundheit/hundegesundheit/gesundheitstipps/2677-warum-gesundes-hundefell-so-wichtig-ist.

6.         https://www.gesundheitszentrum-fuer-kleintiere-luedinghausen.de/tierarztblog/artikel/warum-ein-hundemantel-sinnvoll-ist.html.

7.         https://focus-tierarzt.de/magazin/hund-winterfit-machen.

8.         Hall, E.J., A.J. Carter, and D.G. O’Neill, Dogs don’t die just in hot cars—exertional heat-related illness (Heatstroke) is a greater threat to UK dogs. Animals, 2020. 10(8): p. 1324.

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